Klaus: Sieben Jahre Angehörigenpflege — Weg zur Erholung
Klaus pflegte seine Mutter neben seinem Vollzeitjob — sieben Jahre lang. Was ihn am Ende nicht auffing, war die Erschöpfung. Was ihn rettete, war der Wald.
Meine Mutter bekam mit 79 Jahren eine vaskuläre Demenz. Ich habe ihr Haus umgebaut, meine Arbeitszeiten angepasst, mein soziales Leben auf ein Minimum reduziert. Sieben Jahre. Man macht das, weil man es tut — weil man seine Mutter liebt und weil kein Pflegeheim das leisten kann, was ein Angehöriger leisten kann. Aber der Preis dafür ist ein Körper, der lernt, Erschöpfung als Normalzustand zu akzeptieren.
Stille Erschöpfung — wenn man gar nicht merkt, wie schlecht es einem geht
Das Insidious an chronischer Erschöpfung ist der Vergleichspunkt. Wenn man sich jeden Tag ein bisschen schlechter fühlt, gibt es keinen Tag, an dem man sagt: "Heute bin ich krank." Es ist das Frosch-im-heißen-Wasser-Problem.
Mein Hausarzt machte mich darauf aufmerksam, als er meine Herzratenvariabilität maß — ein Indikator für die Erholung des Nervensystems. Die HRV war bei mir deutlich zu niedrig für mein Alter. Das Nervensystem befand sich in einem chronischen Anspannungszustand.
Waldspaziergänge — mehr als Romantik
Meine Schwiegertochter hatte mir einen Artikel über "Waldbaden" — Shinrin-Yoku — geschickt. Ich hatte gelächelt und ihn beiseite gelegt. Dann, aus Desperation mehr als Überzeugung, bin ich an einem Dienstagabend in den Auwald gefahren.
Ich sage es vorsichtig: Das ist keine Mystik. Es gibt Studien, die zeigen, dass sich nach 20 Minuten Aufenthalt in Natur der Cortisolspiegel messbar senkt, der Blutdruck fällt, die HRV steigt. Die Phytonzide der Bäume aktivieren nachweislich NK-Zellen des Immunsystems. Ich bin Buchhalter — ich glaube Zahlen.
Seitdem gehe ich dreimal pro Woche. 40 Minuten. Keine Kopfhörer. Kein Handy. Nur Wald.
Ashwagandha — das Adaptogen, das mich überzeugt hat
Mein Arzt empfahl mir nach einem Gespräch über Adaptogene einen Versuch mit Ashwagandha. Das ist eine Wurzel aus der ayurvedischen Medizin, die in mehreren Studien signifikante Cortisol-Reduktionen gezeigt hat — bei einem KSM-66-Extrakt und 300mg täglich.
Ich habe nach sechs Wochen gemerkt: Die Reizbarkeit, die ich für mein Temperament hielt, hatte sich verringert. Ich reagierte auf Probleme — und die Pflege meiner Mutter brachte täglich Probleme — gleichmäßiger. Nicht gleichgültiger. Gleichmäßiger.
Was pflegende Angehörige nicht hören wollen, aber müssen
Wenn man sich selbst aufbraucht, kann man irgendwann für niemanden mehr da sein. Das klingt wie eine Phrase. Es ist physiologische Realität. Erschöpfung verringert die Empathiefähigkeit, die Entscheidungsqualität, die emotionale Stabilität. Man wird für die pflegende Person schlechter, nicht besser.
Ich habe gelernt: Eine Stunde pro Tag ist kein Luxus. Sie ist Voraussetzung. Das musste ich mir erlauben.